Agave erzählt von Antonio Venesco, dem begabten Sohn eines Töpfers aus Ariccia. Während sein Vater ihn an die erfolgreiche Werkstatt binden will, träumt Antonio davon, Maler zu werden. Seine kunstvoll geformten und bemalten Gefässe ziehen die Aufmerksamkeit Tommaso Guidis auf sich. Der berühmte Meister, Masaccio genannt, nimmt ihn als Schüler mit nach Florenz. Dort begegnet Antonio einer Welt, in der Kunst Berufung, Opfer und unablässige Arbeit bedeutet. In der Brancacci-Kapelle erlebt er Masaccios rastloses Schaffen und dessen Streben, Menschen und Dinge so darzustellen, wie sie wirklich erscheinen. Neben anderen Künstlern entwickelt Antonio seine Fähigkeiten, bleibt jedoch lange im Bann seines Lehrers. Zugleich gerät er in einen Konflikt zwischen künstlerischem Ehrgeiz und persönlichem Glück. Seine Beziehungen zu Cencetta, Judith und Margherita zeigen unterschiedliche Formen von Nähe, Begehren, Stolz und Enttäuschung. Antonio sucht eine vollkommene Liebe, ist aber nicht bereit, sich mit halben Gefühlen zufriedenzugeben. Masaccio arbeitet bis zur körperlichen Erschöpfung. Sein früher Tod erschüttert Antonio und zerstört die Gewissheit, auf der seine Zukunft aufgebaut war. Nach einem planlosen Wanderleben erkennt er, dass sein eigenes Werk zu stark unter dem Einfluss des verstorbenen Meisters steht. Er gibt die Malerei auf und kehrt als Töpfer nach Ariccia zurück. Wie die Agave im einleitenden Gedicht ihre ganze Lebenskraft in eine einzige Blüte legt und im Erblühen stirbt, verbindet der Roman schöpferische Vollendung mit Selbstaufgabe und Vergänglichkeit. Am Ende begegnet Antonio Margherita wieder. Beide überwinden verletzten Stolz, Eifersucht und lange Trennung und finden in gegenseitiger Vergebung zusammen. Der Roman verbindet Künstlerleben, historische Schauplätze, psychologische Konflikte und Liebesgeschichte. Rom, Florenz, Ariccia, Werkstätten, Kirchen und Fresken bilden den Rahmen einer Erzählung über Talent, Meisterschaft, Treue, Selbstvertrauen und den Preis schöpferischer Grösse.
Marie von Ebner-Eschenbach 1830 1916 war eine österreichische Schriftstellerin. Sie wurde in Mähren geboren und schrieb vor allem Romane, Erzählungen und Aphorismen. In ihren Werken beschäftigte sie sich mit sozialen Problemen, Gerechtigkeit und der Rolle der Frau. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 19. Jahrhunderts.
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