Ahnung und Gegenwart begleitet den jungen Grafen Friedrich nach dem Ende seiner Universitätszeit. Auf einer Fahrt über die Donau nimmt er Abschied von seinen studentischen Freunden und begegnet der schönen Rosa. Ein nächtlicher Kuss, eine gefährliche Reise durch Wald und Gebirge und der Überfall in einer abgelegenen Mühle führen ihn in eine Welt aus Liebe, Freundschaft, Dichtung, Verführung und religiöser Suche. Auf dem Schloss Leontins trifft Friedrich den Dichter Faber und den rätselhaften Knaben Erwin. Zwischen Jagden, Liedern, Festen und Gesprächen über Kunst und Leben entwickelt sich seine Beziehung zu Rosa. Doch die anfängliche Begeisterung verliert ihre Sicherheit. Friedrich erkennt hinter gesellschaftlichem Glanz, sinnlicher Anziehung und poetischem Spiel eine Gegenwart, die ihm innerlich zerrissen und ohne festen Mittelpunkt erscheint. Die Handlung führt durch Schlösser, Wälder, Gebirge, Städte und Küstenlandschaften. Friedrich begegnet Menschen, die unterschiedliche Wege wählen: Leontin sucht Freiheit und Bewegung, Faber verteidigt die unabhängige Kunst, Rudolf verliert sich in Zweifel und innerer Leere, während Rosa zwischen Liebe, gesellschaftlichem Leben und eigener Unruhe steht. Auch verborgene Herkunft, familiäre Verbindungen und enttäuschte Hoffnungen bestimmen den Fortgang des Romans. Gedichte und Lieder sind eng mit der Handlung verbunden. Sie geben Sehnsucht, Freude, Einsamkeit, Naturerfahrung und religiöser Erwartung eine eigene Stimme. Zugleich werden die Aufgaben des Dichters, das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit sowie die Verantwortung des Menschen gegenüber seiner Zeit diskutiert. Am Ende entscheidet Friedrich sich gegen das bewegte weltliche Leben. Er sieht die Erneuerung des Menschen nicht in äusserer Betriebsamkeit, sondern in einer Rückkehr zu Glauben, innerer Sammlung und verantwortlichem Handeln. Während Leontin über das Meer weiterzieht und Faber in das bunte Leben zurückkehrt, geht Friedrich in ein Kloster. Der dreiteilige Roman verbindet Reiseerzählung, Liebesgeschichte, Gesellschaftskritik, Naturlyrik und religiöse Selbstprüfung.
Joseph von Eichendorff (1788 1857) war ein deutscher Schriftsteller und Dichter der Romantik. Er wurde in Schlesien geboren und studierte Jura. Seine Gedichte und Novellen handeln oft von der Natur, der Liebe und dem Reisen. Sein bekanntestes Werk ist Aus dem Leben eines Taugenichts. Heute zählt er zu den wichtigsten Autoren der deutschen Romantik.
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