Nach zwanzig Jahren in Philadelphia kehrt Wilhelm Kempe in seine deutsche Heimatstadt zurück. In einem Brief schildert er, wie stark sich Familienleben, Erziehung und gesellschaftliche Gewohnheiten verändert haben. Bei seiner Schwester beobachtet er einen Alltag, in dem der Vater seine Abende ausser Haus verbringt, die Mutter auf Haushaltsaufgaben beschränkt bleibt und die Kinder trotz umfangreichen Unterrichts wenig Anteil am gemeinsamen Familienleben haben. Auch die vornehme Geselligkeit seiner Jugendfreundin Julie erscheint ihm leer und von Spiel, Mode und gesellschaftlicher Selbstdarstellung bestimmt. Einen Gegenentwurf findet Wilhelm auf dem Landgut seines Freundes Laland. Dort erlebt er ein Weihnachtsfest, an dem Eltern, Kinder und Bedienstete gemeinsam teilnehmen. Bildung, Arbeit, Gastfreundschaft und gegenseitige Achtung verbinden sich zu einem lebendigen häuslichen Miteinander. Der als « Familiengemälde » bezeichnete Text verbindet Briefform, Gesellschaftsbeobachtung und kritische Reflexion. Im Mittelpunkt stehen Ehe, Kindererziehung, weibliche Bildung, familiäre Verantwortung sowie der Gegensatz zwischen äusserem Fortschritt und innerem Zusammenhalt.
Therese Huber (1764 1829) war eine deutsche Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin. Sie wurde in Göttingen geboren und gehörte zu den ersten bekannten Journalistinnen Deutschlands. Sie schrieb Romane, Reiseberichte und politische Texte. Heute gilt sie als eine wichtige Autorin der deutschen Literatur und des frühen Journalismus.
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