Anton Reiser wächst in einer von Streit, religiöser Strenge und mangelnder Zuneigung geprägten Familie auf. Bücher werden früh zu seinem Zufluchtsort. Beim Lesen findet er Trost, Anerkennung und jene ideale Welt, die ihm im Alltag fehlt. Sein Bildungsweg führt durch Schule, Handwerkslehre und wechselnde Abhängigkeiten. Immer wieder erlebt Anton Demütigung, Armut und Ausgrenzung. Lob und Erfolg stärken ihn nur vorübergehend, während Zurückweisung seine Selbstzweifel und seine Neigung zu schwermütiger Selbstbeobachtung vertieft. Besonders stark ist sein Wunsch, Schauspieler zu werden. Das Theater verspricht ihm Ruhm, Gemeinschaft und die Möglichkeit, dem eigenen Leben zu entkommen. Trotz verständiger Ratschläge und hilfreicher Freunde folgt er dieser Leidenschaft. Als er sich einer Schauspieltruppe in Leipzig anschliessen will, erfährt er jedoch, dass der Direktor die Garderobe verkauft hat und verschwunden ist. Der vierteilige Roman untersucht ausführlich Antons Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Im Mittelpunkt stehen Kindheit und Erziehung, die Wirkung des Lesens, gesellschaftliche Abhängigkeit, verletztes Selbstgefühl, künstlerischer Ehrgeiz und die schwierige Suche nach einem eigenen Lebensweg.
Karl Philipp Moritz (1756 1793) war ein deutscher Schriftsteller, Pädagoge und Philosoph. Er wurde in Hameln geboren und schrieb Romane, Essays und autobiografische Werke. Sein bekanntestes Werk ist Anton Reiser, ein früher psychologischer Roman. Heute gilt er als ein wichtiger Autor der deutschen Aufklärung und der Weimarer Klassik.
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