Heutzutage ist der Gruß des Fechters oft nur noch eine kurze Geste, die ohne Eleganz und Schwung ausgeführt wird, weil es die Regeln so vorschreiben. Das war nicht immer so. Im XVII. Jahrhundert war der Gruß in den französischen Fechtsälen ein echtes Ritual. Bevor mit den Übungen begonnen oder ein Gefecht aufgenommen wurde, musste sich der Fechtschüler diesem unterziehen. Durch diese festgelegten Gesten drückte er seinen Respekt gegenüber seinem Fechtmeister, seinem Gegner und dem Publikum aus, das bei den Unterrichtsstunden stets anwesend war. Der Gruß spielte auch eine wesentliche Rolle für die Sicherheit, da er den Fechter dazu zwang, sich zu beruhigen, sich zu konzentrieren und die richtige Haltung einzunehmen. Diese langwierigen Rituale haben im modernen Sportfechten keinen Platz mehr. Im szenischen und künstlerischen Fechten hingegen behalten sie ihre ganze Bedeutung. In einem Renaissance- oder Barockkontext tragen sie voll und ganz zum Stil, zum Spiel und zum Vergnügen des Publikums bei. Diese Sammlung von Fechtgrüßen, ob historisch oder fantasievoll, richtet sich an Schauspieler und Fechter, die dem Fechten seine Anmut und Eleganz zurückgeben möchten.
Michael Müller-Hewer ist ein deutscher Fechtmeister, der in der Schweiz lebt. Seit 1984 praktiziert er szenischen Kampf und historisches Fechten (AMHE). 20 Jahre lang arbeitete er als Stuntman und Kampfchoreograf für Film und Theater in Frankreich und Deutschland. Seit 1990 unterrichtet er historisches Fechten und szenischen Kampf. 1996 erwarb er das Diplom als Fechtmeister in fünf Waffen an der Akademie der Fechtkunst Deutschlands. Er ist zudem Schweizer J+S-Monitor für Fechten. Die Praxis des keltischen Kampfes in der Schweiz entwickelte sich im Rahmen seiner Lehrtätigkeit an der Universität Lausanne UNIL (Gruppe Cladio). Ehemaliges Mitglied der Ausbilderkommission und Vizepräsident von SwissHEMA bis 2024 unterrichtet er heute historische europäische Kampfkünste und Bühnenfechten am Cercle des Armes de Lausanne (CAL).
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